Homo faber: Ein Bericht (suhrkamp taschenbuch)
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Fabers Wandlung
• • • •   (bewertet mit 4 von 5 Punkten)

Man kann eine Wandlung Fabers im Laufe des Romans feststellen, die vor allem an der sprachlichen Gestaltung sichtbar wird. Anfangs berichtet Faber in Erzählblöcken, die linear aufeinander folgen und aufgefasste Gegebenheiten wiedergeben. Faber ist ein einfacher Protokollant, der sachlich und durchaus genau seinen Bericht" erstattet. Er verfasst alles in einer eindimensionalen Sprache, die den Anschein geben soll, nur auf expliziten Gegebenheiten zu beruhen. Jedoch merkt man immer wieder, dass Faber eigentlich ein empfindsamer und nachdenklicher Protagonist ist, beispielsweise wenn er bestreiten will, dass in schwarzen Agaven schwarze Seelen" zu erkennen sind, wie es andere Menschen meinen würden. Kaum gesteht er sich jedoch ein, dass es Schönheit in der Natur oder Schicksal geben könnte, versucht er die Gedanken durch rationale Überlegungen im Gebiet der Stochastik u.a. zu unterbinden. Es gelingt ihm jedoch nicht, einen vollständig sachlichen Bericht zu schreiben, oftmals unterbrechen Einschübe seiner Gedanken den Erzählfluss.

In seinen Prinzipien lässt sich eine gewisse Diskontinuität entdecken. Auf der einen Seite lehnt er gegenüber Ivy das Heiraten ab, auf der anderen wünscht er sich gegen Ende, Hanna zu heiraten.

Im Laufe der Handlung gelingt es Faber immer weniger, seine Gefühle zu unterdrücken und auf seiner Rolle als Techniker zu beharren. Seine Erlebnisse in Kuba bringen ihm ein bisher völlig neues Verhältnis zur Umwelt. Er entdeckt die Schönheit in ihr und seine Scheu gegenüber den Mitmenschen verschwindet, er streichelt beispielsweise einen kleinen Jungen. Allgemein kann man sagen, dass er in Kuba, dessen Einwohner er aufgrund ihrer unbeschwerten Art sehr achtet, lernt sein Leben zu genießen. So beendet er auch sein Filmen, da er sich nun auf seine geistigen Erinnerungen stützen kann, die er vorher bildlich mit seiner Kamera festhalten musste. Bei der Filmvorführung in Düsseldorf gesteht er sich alle Emotionen ein, die er für Sabeth hatte. Letztlich bemerkt Faber, dass sein technischer Blick auf die Welt dieser nie gerecht wurde und sie nie vollständig erfassen konnte.

Zwar ändert Faber sein Leben und verändert sich letztlich dadurch auch selbst, jedoch war der Kern seiner Persönlichkeit von Anfang an vorhanden. Er war immer schon gefühlvoll. Möglicherweise ist sein Erkalten durch die plötzliche Trennung von Hanna zu erklären, die ihn sehr verletzt und dazu veranlasst hat, sich keiner Frau mehr zu öffnen. Die Ereignisse führen jedoch zu einem Abbau dieser Schutzmauer und sein wahres Ich kommt wieder zum Vorschein.

Eine Rezension von Legastheniker > -
vom 4. Februar 2008
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