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Das Gute ist zunächst einmal, dass man in jedem Alter mit der erfolgreichen Arbeitslosigkeit beginnen kann (S. 34)
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Ist dieses Buch scherz- oder ernsthaft zu verstehen? Schaut man sich die Besprechungen an, scheint beides möglich zu sein. Für mich war es ein pures Lesevergnügen. Warum? Weil ich mir einfach nicht vorstellen kann, dass jemand seinen Bewerbungsunterlagen ein Foto beifügt, auf dem er in Unterhosen zu sehen ist (es sei denn, er/sie bewirbt sich als Dessous-Model). Auch dass jemand seinen eigenen Nachnamen nicht kennt und stattdessen Mustermann schreibt halte ich für unwahrscheinlich, da mag die Autorin noch so sehr beteuern, dass alle im Buch genannten Beispiele auf tatsächlichen Vorkommnissen beruhen. Deshalb konnte ich mir bei Anekdoten wie den oben genannten ein Grinsen nicht verkneifen, wenn ich mir die Reaktionen der Personaler bildlich vorstellte. Köstlich fand ich auch die drei Strategie-Ebenen zur Arbeitsvermeidung, die von einfachen Übungen für Neueinsteiger bis hin zu Übungen für Könner reichen, denen es gelingt Situationen zu schaffen, die ihnen anschließend selbst wie durch höhere Gewalt bestimmt vorkommen. Was für eine tolle Satire!
Nachdem ich die anderen Besprechungen gelesen habe frage ich mich allerdings, ob die Beispiele vielleicht doch realitätsnah sind und ich es bin, der das Buch falsch oder gar nicht verstanden hat, denn offenbar finden sich andere darin durchaus wieder. Außerdem ist die Autorin Outplacement-Beraterin. Sind das nicht Menschen, die andere auf dem Weg in die Arbeitslosigkeit begleiten? So betrachtet könnte es sich tatsächlich um den Ratgeber einer Expertin handeln, zumal die promovierte Kulturwissenschaftlerin explizit empfiehlt, sich einen Berater mit geisteswissenschaftlichem Studium zu suchen, wenn man erfolgreich arbeitslos bleiben will (S. 124). Auch das Vorwort, das von einer nach eigenen Worten noch nicht ganz senilen Rentnerin stammt, deutet in diese Richtung, und Rentner sind ja bekanntlich ebenfalls Experten in Sachen Dauerarbeitslosigkeit. Die Verfasserin des Vorwortes glaubt sogar, dass sich alle (Rentner?) in dem Buch wiederfinden und sieht in ihm zugleich ein geeignetes Mittel zur Weiterbildung von Personalmanagern, wohl gemäß dem Motto: So erkennen Sie die Nieten unter den Bewerbern.
Fazit: So heiter es beim Lesen war, so ratlos bin ich jetzt. Selten ist mir dermaßen bewusst geworden, wie weit Lesemodelle auseinanderklaffen können...
Eine Rezension von Andreas Stützer "Selbstdenker" > Aachen
vom 27. April 2010 |